Damaszener-Rose – Heilpflanze des Jahres 2013

 

Sie ist die „Königin der Blumen“ und als Heilpflanze bewährt: die Damaszener-Rose. Der NHV Theophrastus kürte sie zur Heilpflanze des Jahres 2013. Im kommenden Jahr wird sie somit im Mittelpunkt der Aktivitäten des Vereins stehen. Gründe für die Wahl lagen für die Jurymitglieder in der Vielseitigkeit der Pflanze, der harmonisierenden Wirkung für Körper und Seele und ihrer sympathischen Ausstrahlung. 

 

Ein Blick in die Rosenwelt 

Der Name Rose lässt sich über das lateinische rosa bis zum griechischen rhodon (rhododendron = Rosenbaum) zurückverfolgen. Diese Bezeichnung liegt den Namen der Rose in fast allen heutigen Sprachen Europas zugrunde. Der botanische Artenname damascena bezieht sich auf Damaskus. Von dort sollen Kreuzritter diese Rosenart nach Europa mitgebracht haben.
Die Damaszener-Rose ist ein 1,5 bis 3 Meter hoher Strauch, der durch seine biegsamen, bogig abstehenden Zweige buschig und locker im Wuchs wirkt. An den Trieben sitzen viele, meist rötliche, dünne und hakenförmige Stachel. Die 5 bis 7 hellgrünen, später graugrünen Fiederblättchen sind auf der Blattoberfläche leicht blasig aufgewölbt. Die rosa bis weißen Blüten hängen durch die verhältnismäßig dünnen Stiele leicht nach unten. Sie sind zu mehreren angeordnet und erscheinen etwas flattrig. Typisch für diese Rosenklasse sind die langen Kelchblätter. Die Früchte entwickeln sich zu länglichen, krugförmigen Hagebutten. Es werden zwei Arten unterschieden: die im Mai/Juni blühenden Sommerdamaszener und die zweimal jährlich blühenden Herbstdamaszener. Die ersteren liefern das geschätzte Damaszener-Rosenöl.
Gezüchtet wurde die Damaszener-Rose vermutlich vor etwa 3000 Jahren in Persien. Damit gehört sie in die Gruppe der „Alten bzw. Historischen Rosen“. An ihrer Entstehung sind nach neueren Erkenntnissen Rosa fedtschenkoana, Rosa gallica und Rosa moschata beteiligt.
Eines der bedeutendsten Anbaugebiete für Rosen ist das weltberühmte „Tal der Rosen“ in Bulgarien nahe Kazanlak. Dort wird die halbgefüllte Sorte „Trigintipetala“ angebaut, die auch als „Bulgarische Ölrose“ bezeichnet wird. 

 

Herstellungsverfahren

Die Rosenernte muss in den frühen Morgenstunden beginnen, da sich der Ölgehalt der Blüten durch das Steigen der Temperatur im Tagesverlauf rasch verringert. Vier bis fünf Tonnen Blüten werden für einen Liter Rosenöl benötigt. Zur Gewinnung des Rosenöls sind folgende Verfahren gebräuchlich: 

  1. die Wasserdampfdestillation. Daraus entsteht das Rosenöl oder Rosen-Destillat. Das dabei anfallende Destillationswasser ist das Rosenwasser bzw. Rosenhydrolat
  2. die Extraktion mithilfe flüchtiger Lösungsmittel, deren Endprodukt das sogenannte Absolue ist. 

Eine weitere Herstellungsvariante beruht auf einer alten indischen Tradition, bei der mittels einer transportablen Destille Rosenblüten auf Sandelholz destilliert werden. Daraus entsteht das Rosen-Attar, was so viel wie „himmlischer Duft“ bedeutet.
Umgangssprachlich werden aber manchmal auch das Rosenöl oder Parfümmischungen als Attar bezeichnet.

 

Der eingefangene Duft

Das ätherische Öl der Rose enthält über 400 Einzelsubstanzen, welche noch nicht alle identifiziert sind. Damit gehört das Rosenöl, chemisch gesehen, zu den komplexesten ätherischen Ölen überhaupt. Die Zusammensetzung ist abhängig von der verwendeten Sorte und vor allem vom Herstellungsverfahren. Deshalb sind die Düfte von lebenden Rosenblüten am Strauch, der Rosenöle und des Rosenwassers nicht völlig identisch und auch im therapeutischen Spektrum leicht abweichend voneinander. Vom Duft der Damaszener-Rose schwärmte die Hamburger Reformpädagogin und Rosenliebhaberin Alma de L`Aigle (1889-1959): „Er ist der reinste und zuverlässigste Rosenduft, den ich kenne“.
Der hohe Preis durch die geringe Ausbeute bei der Rosenölherstellung führte und führt immer wieder zu Verfälschungen. Oft wird es mit synthetischen Duftstoffen gestreckt, die dem Originalduft sehr ähnlich sein können. Bei diesen Ölen aus dem Labor spielt allerdings meist nur der nachgebaute Duft eine Rolle, ihnen fehlen aber das fein abgestimmte Zusammenspiel der Einzelbestandteile und damit die lebendige Energie.

 

Heilmittel, Kosmetikum und Delikatesse

Das Wissen von der heilenden und schönheitsfördernden Wirkung des Rosenöls existiert bereits seit Jahrtausenden in Indien und Arabien. Auch viele bekannte Heilkundige der Vergangenheit, wie z.B. Plinius d. Ä., Dioskurides, Hildegard von Bingen und Paracelsus, verwendeten die Rose zur Krankenbehandlung.
Heute gelten als wichtige Anwendungsgebiete des Damaszener-Rosenöls: Bronchitis, entzündete Haut, Geschwüre, Herzrasen, Depressionen sowie die Förderung der Genussfähigkeit im Allgemeinen und der Sinnlichkeit im Besonderen. Die Aromatherapeutin Eliane Zimmermann beschreibt dessen umfassende Wirkung: „Das Rosenöl kann durch seine Vielfalt als Allheilmittel bezeichnet werden, es kann bei fast allen Krankheiten mit Erfolg eingesetzt werden.“ Auch bei der Geburt und in der Sterbebegleitung findet das ätherische Rosenöl Anwendung. Durch seine harmonisierende Wirkung kann es Gefühle beruhigen, Ängste nehmen, Blockaden vorsichtig lösen und damit den Prozess des Loslassens unterstützen. Neben ihrer Verwendung als Heilmittel wird die Rose auch als Kosmetikum genutzt – nicht nur wegen ihrer hauptpflegenden Eigenschaften sondern auch aufgrund ihrer positiven seelischen Wirkung, denn „Schönheit kommt von innen“.
Das feine Aroma der Rose ist außerdem in vielen Küchen der Welt zu Hause. Vor allem für Süßigkeiten wird Rosenöl oder -wasser verwendet, so z.B. für das Marzipan. Probierfreudige Feinschmecker können Kuchen, Marmeladen, Desserts oder fruchtige Getränke mit der Damaszener-Rose abschmecken. Selbst eine Rosenblätter-Bowle wird von vielen geschätzt. Der Fantasie bei der Bereitung von kulinarischen Genüssen sind hier keine Grenzen gesetzt.

 

Die Königin der Blumen

Seit dem Altertum wird die duftende Rose mit allen Superlativen der Anerkennung bedacht. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sie als „Königin der Blumen“ bezeichnet wird. Verewigt ist die nahezu grenzenlose Verehrung der Rose daher in Literatur, Musik, Malerei, Bildhauerei und Architektur aller Zeiten.
Im alten Griechenland wurden heimkehrende Soldaten mit Rosenkränzen geehrt. Die Ägypter wuschen die Körper der Toten mit duftendem Rosenwasser und in Rom veranstaltete man rauschende Festgelage mit in verschwenderischer Menge von der Decke herabregnenden Rosenblättern. Eine verschlungene rote und weiße Rose wurde nach Beendigung der sogenannten Rosenkriege im 15. Jh. zum Zeichen der Vereinigung der beiden britischen Häuser Lancester und York.
In fast allen Kulturen der Menschheit hat die Rose symbolische Bedeutung, die z.T. auch Widersprüchliches zeigt: sie gilt als Sinnbild der Vollkommenheit, der göttlichen und der sinnlichen Liebe, der Schönheit und Anmut, aber auch von Vergänglichkeit und Tod (weiße Rose). Sie ist die Blume der Jungfrauen, aber auch des Lasters. In der Symbolik des Christentums bedeutete sie die fünf Wundmale Christi. Maria, die Mutter Jesu, bezeichnete man als Rose ohne Dornen. Die Pflicht zur Verschwiegenheit der Priester wurde durch eine in das Holz der Beichtstühle eingeschnitzte Rose dargestellt. Auch durch den antiken Brauch einer über den Tisch gehängten Rose wurde ausgedrückt, dass das unter Freunden Gesagte nicht ausgeplaudert werden sollte. Der Ausdruck „Sub rosa“ (unter der Rose) wurde zur stehenden Redewendung für vertrauliche Gespräche. 
Ein heiliges Symbol ist die Rose auch für den Islam, da sie aus Mohameds Schweißtropfen entsprossen sein soll. 

 

Dufterlebnis im eigenen Garten

Die „Heilpflanze des Jahres“ wird vom NHV Theophrastus seit dem Jahr 2003 gekürt. Ziel dieser Aktivität ist es, die Öffentlichkeit am Beispiel dieser Jahrespflanzen vor allem über die heilende Wirkung von Kräutern zu informieren. Eine unabhängige Jury hat dabei die Qual der Wahl: zwischen wohlbekannten und unbeachteten, heimischen und exotischen Kräutern, allgemein beliebten oder unpopulären Pflanzen.
Mit der bekannten und beliebten Damaszener-Rose kann sich der Hobbygärtner auch in unserem mitteleuropäischen Klima ein jährlich wiederkehrendes Dufterlebnis schaffen. Für ein gesundes Wachstum und eine üppige Blüte verlangt diese Rose einen humusreichen, lockeren Boden. In der Regel sind die Sträucher winterhart, jedoch sollte vor allem die empfindliche Veredlungsstelle vor Wintersonne und niedrigen Temperaturen durch Anhäufeln mit Kompost geschützt werden. Mit einem Korrekturschnitt im Frühjahr und ein bisschen Glück dürfte so eine langjährige Freude an der Blumenkönigin gesichert sein.

 

Maria Vogel, NHV Theophrastus, 26.10.2012